Neulich war es etwas stressig! (Feier-Marathon Teil 2)

Die letzten 8 Wochen waren für mich außerordentlich ereignisreich. Heute wollte ich Euch gerne von meinem Weihnachtsfest in Indien, den Jahreswechsel und alles was ich sonst noch so außergewöhnliches erlebt habe berichten.

 

Dieses Jahr hab ich Weihnachten etwas anders verbracht. Hier in Indien ist Weihnachten nicht die alles umfassende Feierlichkeit wie sie es bei uns in der westlichen Hemisphäre üblich ist. Hier wird Weihnachten mehr als eine Geburtstagsfeier (was es ja eigentlich auch ist) zelebriert. Mit Ballons, Feuerwerk und lauter Musik wird die Geburt Christi gefeiert. Da in Indien ca. 80% Hindus sind, ist für viele Menschen Weihnachten keine Besonderheit. Jesus ist halt nur ein Gott wie alle anderen auch.

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22.12. Eine kleine Weihnachtsfeier am LCV (Loyola College Vettavalam)

Aufgrund der Flutkatastrophe hatten wir dieses Jahr nur eine kleine Weihnachtsfeier für die Studenten bei uns am College. Nach ein paar kurzen Aufführungen und Reden war nach dem singen eines Tamil-Weihnachtsliedes alles wieder vorbei.

 

23.12. Weihnachtsfeier in der Community

Da alle Fathers und Brothers an Weihnachten sehr beschäftigt waren, startete die Festlichkeit in der Community mit einem Gottesdienst schon am 23 Dezember. Danach wurde mit dem Anschneiden des Weihnachtskuchens unsere interne Weihnachtsfeier eröffnet. Wir saßen gemütlich zusammen, aßen, hörten und sangen gemeinsam englisch-sprachige Weihnachtslieder. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man bei 25 Grad „Jingle Bells“ singt. Meist sind wir zu solchen Anlässen im Upper Room (das Fernsehzimmer im ersten Stock), weil wir hier genügend Platz haben aber auch unsere kleine geheime Bar ist. Ich schreibe hier extra „geheim“, weil in Indien ist es mit manchen Dingen, die für uns selbstverständlich sind, sehr schwierig. Alkohol ist in der südindischen Gesellschaft nicht akzeptiert und daher lernen viele keinen verantwortungsvollen Umgang damit. Das führt dazu, dass es hier oft nur die Extreme gibt. Absolut ablehnend oder voll betrunken. Leider gibt es dadurch auch viele Alkoholiker die ein negatives Bild auf die Nutzung alkoholischer Getränke werfen. Das man einfach nur gemütlich bei einem Glas Bier zusammen sitzen kann, ist für viele Inder nicht nachvollziehbar und daher gesellschaftlich nicht anerkannt.

 

24.12. Heilig Abend, ein normaler Werktag

Die meisten Menschen gehen am Heilig Abend ihrem gewohnten Arbeitsalltag nach. Nur unsere Fathers und Scholastics hatten ein außergewöhnliches Programm.

Es gibt hier in der Umgebung sehr viele Gemeinden mit einer Kirche. Diese Gemeinden werden, wie bei uns auch, oft in einem Verbund von einem Priester verwaltet. Zu Weihnachten unterstützten unsere Fathers die Gemeindepriester in den umliegenden Dörfern. Daher war unsere Community über die ganze Region verstreut und feierte die Christmette um Mitternacht in unterschiedlichen Locations.

Die Scholastics hatten den Auftrag in einer unserer Außenstationen die Christmette zu organisieren. Weil das Wetter so schön war, und am Campus nichts zu machen war bin ich die 20 km dorthin gewandert. Auf dem Weg konnte ich ein wenig die Region und das echte Süd-Indien kennenlernen. Als ich los lief, wusste ich nur meine Route und wollte einfach nur mal in Ruhe ein paar Stunden verbringen. Ich wollte besinnlich über das Jahr nachdenken und mich seelisch auf die Mitternachtsmesse vorbereiten. Aber in Indien kommt es immer anders als man denkt.

Auf einmal war ich die Hauptattraktion in den Dörfern.

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Ein weißer Mann der durch Süd-Indien läuft; nur aus Spaß; Das haben viele nicht begriffen. Mir wurden Transportmöglichkeiten in Autos und auf Motorädern angeboten. Einer wollte mich sogar auf seinem Fahrrad mitnehmen. Die Kinder wollten Bilder machen und haben sich riesig gefreut, dass ich kurz anhielt und mit ihnen sprach. Da hier viele Menschen den unteren Kasten angehören, und bis vor einigen Jahren als „unantastbar“ galten, versuche ich so vielen Menschen wie möglich die Hand zu geben. Manche Ältere fingen sogar zum weinen an, weil ich ihnen mit Respekt begegnet bin.

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Nach 4 Stunden hatte ich dann Kil Pennathur, die Außenstation die ca. 20 km entfernt liegt, erreicht. Hier hatte ich etwas Zeit und ich konnte mich frisch für das Abendessen und den Nacht-Gottesdienst machen.

 

  1. – 29.12. Mein erster Dezember-Strand-Urlaub

Ich fuhr mit dem Bus nach Pondicherry um dort ein paar Tage zu entspannen und ein paar belgische Freunde zu besuchen. Weihnachten unter Palmen ist wirklich ein seltsames Gefühl. Pondicherry ist eine ehemalige französische Kolonie und man sieht den Einfluss der ursprünglichen Stadtplaner noch sehr deutlich. Es ist ein beliebtes Reiseziel für Europäer, da man dort viele westliche Produkte kaufen kann, und man sich mit französisch und englisch sehr gut unterhalten kann. Es gibt in der Nähe von Pondy sogar ein „Welt-Dorf“. In Auroville hatte man vor 40 Jahren versucht, eine neue Form des Zusammenlebens aufzubauen, wo Menschen unterschiedlichster Kulturen und Herkunft in einer neuen Stadt zusammenleben. Der Versuch hat damals leider nur bedingt funktioniert. Zurzeit leben hier nur ca. 3000 Menschen. In Auroville hab ich aber sogar eine kleine Bäckerei gefunden die „echtes“ Brot backen kann. Meine Freunde dort, sind ein älteres Ehepaar, das vor 28 Jahren aus Belgien nach Indien ausgewandert ist. Ich freue mich sehr wenn ich einfach nur mal eine Brotzeit mit ihnen machen darf und über die gemeinsamen Erfahrungen mit der indischen Kultur philosophieren kann.

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30.12. Outreach-Program-Jahresabschlussfeier

In den umliegenden Dörfern um Vettavalam wurde durch unsere Jesutien ein Outreach-Programm gestartet. Dieses Programm ist so etwas wie eine Nachmittagsbetreuung für Kinder und Schüler die bei den Hausaufgaben hilft.

Dieses Programm wird auch für Erwachsene in den Dörfern angeboten, um eine weitere Ausbildung der Menschen zu gewährleisten. Ich würde das Programm im weitesten Sinne mit der VHS in Deutschland oder Österreich vergleichen. Wobei hier der Fokus eher auf die Basics wie Lesen und Schreiben gelegt wird.

Heute hatten die Kinder mit Studenten aus Chennai ein paar Aufführungen eingeübt. Es war recht lustig zu sehen, wie viel Mühe sich die Kleinen mit ihrer Performance gegeben haben.

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31.12. Silvester/ Neujahr

An Silvester war mein Tag ähnlich wie am Heiligen Abend. Da die Erfahrung so interessant war, bin ich wieder nach Kil Pennathur gelaufen. Wieder waren viele Kinder auf dem Weg und wollten wieder Bilder machen, die Erwachsenen waren begeistert mit mir zu sprechen und ich hatte wieder meinen Spaß. Am nächsten Tag gab es wieder einen Neujahrs-Kuchen.

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1.1. Verlobungsfeier Laura

Eine Verlobungsfeier in Indien ist so etwas wie eine offizielle Bekanntgabe das man ein Paar verheiraten möchte. Es gibt hier den Brauch der arrangierten Ehen. Die Eltern, Onkel und Tanten suchen für die Tochter oder den Sohn den passenden Partner auf Grund von Empfehlungen und Familienhistorie. Ein Freund hat mir berichtet, dass er im Juli heiraten wird. Er weiß zwar noch nicht wen, aber der Termin steht schon fest. Die Verlobung ist also eine öffentliche Mitteilung an das Dorf und den Bekanntenkreis und die Gemeinde hat dann ein paar Wochen Zeit, Einspruch gegen diese Verbindung einzulegen. Falls das nicht geschieht werden die beiden verheiratet. In dem Fall von Laura, einer Lehrerin hier am College, war es aber eine Hochzeit aus Liebe. Da sich das Paar schon seit vielen Jahren kannte, mussten die Eltern und Familienangehörige nur noch das Einverständnis geben.

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2.1. Kirchweih / Einladung zum Mittagessen / Feast of Mother Mary

Ein weiterer anstrengender Tag. Heute wurde am St. Josephs Mountain Kirchweih gefeiert. Zu diesem Anlass kamen über 20 Priester aus der Region. Über 1000 Menschen feierten den Gottesdienst auf dem Vorplatz der Kapelle. Die Kapelle ist auf einem Hügel errichtet und von hier aus hat man eine sehr schöne Aussicht über die gesamte Umgebung von Vettavalam. Obwohl es Anfang Januar war, konnte man im T-Shirt bei fast 30 Grad und Sonnenschein ordentlich schwitzen.

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Danach hatte ich mit Fr. Eugine eine Einladung zum Essen bei unserer Köchin Jerani. Es war wirklich interessant zu sehen wie Jerani lebt. Sie ist echt bewundernswert für ihre Leistung. Sie hat ihre Familie und ihren Haushalt und kümmert sich rührend um die 11 Junggesellen in der Kommunität. Sie organisiert alles mit Herz und Leidenschaft, kocht, wäscht und hält das Fathers House sauber.

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Am Abend waren wir wieder in einer Außenstation um den Gottesdienst zu feiern. Hier ist das Fest der Gottesmutter Maria ein besonderes Highlight. Dazu wird das ganz Dorf mit bunten Lichtern und vielen Farben geschmückt. Nach dem Gottesdienst wird dann die Marien-Figur auf ein Fahrzeug geladen und durch den Ort gefahren.

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3.1. Erstkommunion / Father Manus Geburtstag

Heute war Erstkommunion für die Tochter eines unserer Mitarbeiter. Natürlich waren wir auch alle Eingeladen. Am Morgen besuchten wir den Gottesdienst und anschließend das private Feier. Hier gab es auch eine Ear-Piercing-Zeremonie für den hinduistischen Teil der Familie. Ich war etwas geschockt, wie hier Traditionen aus unterschiedliche Religionen zusammen vermischt werden. Es hat mich doch etwas irritiert, welche Beweggründe und Folgen für Familie und Gemeinschaft aus einer einzelnen Zeremonie entstehen können.

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Am Abend feierten wir Father Manus Geburtstag. Er ist einer der Senior Fathers und für mich eine hoch interessante Persönlichkeit von der ich viel lernen kann. Er hat über viele Jahre für die Rechte von Minderheiten in Indien gekämpft und hat Organisationen ins Leben gerufen die heute teilweise sogar international operieren. Daher ist er viel unterwegs und für mich ist die Zeit mit ihm sehr kostbar.

 

  1. – 17.01. Pongal (Das Tamil Neujahr)

Und ich bin wieder nach Kil Pennathur gewandert. Diesmal hatte ich aber für die vielen Kinder ein paar Süßigkeiten (Zuckerl) dabei. Es waren so viele Kinder, das ich zweimal auf dem Weg meine Vorräte auffüllen musste. Am Ende hatte ich über 200 Bonbons verteilt. Das Lustige diesmal war, dass die Kinder sich sehr darüber gefreut haben, aber auch die Erwachsenen auf einmal die Bonbons wollten.

Das besondere an Pongal, dem Tamil-Neujahr ist, das man Gott für die erste Ernte dankt. Aus diesem Grund wird in einem Tontopf über offenem Feuer Milchreis gekocht. Bei meiner Wanderung wurde ich heute sogar in fremde Häuser eingeladen und durfte ein bisschen von dem süßen Milchreis essen.

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Das ganze Pongal-Fest geht über mehrere Tage in Tamil Nadu. Durch die vielen Feiertage und Gottesdienste in der letzten Zeit wurde ich aber zum Feiertags-Muffel und hab mich aus diesem Grund etwas zurückgezogen und keine Einladungen mehr angenommen.

 

17.1. Sightseeing Chennai

Eine Reisegruppe aus dem Norden Indens kam zu Besuch nach Chennai. Father Raja war vor einigen Jahren in dieser Gemeinde als Principal der Schule und hatte sich daher bereit erklärt die Reiseleitung zu übernehmen. Ich durfte ihn begleiten, denn ich hatte selbst noch nicht so viele Orte besichtigen können.

Am diesem Sonntag gibt es in Chennai den Brauch, dass man sich mit seinen Freunden trifft. Und da man normalerweise sehr viele Freunde hat, und die alle sehen möchte trifft man sich am Strand. Aus diesem Grund waren geschätzt 1 Mio Menschen aus Chennai in der Marina Beach Area. (und wir mittendrin)
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Es war wirklich eine Herausforderung mit einer Reisegruppe sich durch diese Menschenmassen zu bewegen. Da ich für indische Verhältnisse sehr groß bin, und die Menschen im Norden normalerweise eher kleiner gebaut sind, hielten sich alle an mich um die Gruppe nicht aus den Augen zu verlieren. Jetzt weiß ich wie sich ein Leuchtturm fühlen muss.

Gott Sei Dank ist alles gut gegangen und wir haben unterwegs niemanden verloren.

 

Es gibt noch ein paar weitere Dinge die ich Euch unbedingt noch erzählen muss. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr ….

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